Wer ist diese Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe?

Wer bin ich eigentlich? Kennst du diese Mediation, in der du dir diese Frage stellst? “Who am I?” Ziel dieser Mediation ist es eigentlich herauszufinden, dass es kein “Ich” gibt, sondern wir unendliches Bewusstsein sind. Also wer ist eigentlich dieses unendliche Bewusstsein, dass gerade diese Zeilen schreibt? Wer versteckt sich hier hinter dieser Tastatur?

Ich habe mir diese Frage schon so häufig gestellt und jedes Mal, wenn ich denke, nahe dran zu sein, entdecke ich neue Anteile und Perspektiven auf mich. Also nur zur Info: Diese Selbst-Beschreibung entsteht im April 2020 und kann in einem Monat oder in einem Jahr schon wieder überholt sein. Denn das ist glaub ich einer der zentralen Bestandteile meiner Selbst, ich bin gefühlt im ständigen Wandel und in der Entwicklung. Ich stehe niemals still. Das ist für mich die größte Herausforderung. Mal nichts zu tun. Mich nicht zu bewegen, nicht zu denken und nichts zu tun. Deswegen habe ich seit über fünf Jahren eine sehr intensive Meditationspraxis, um mich mit der Stille vertraut zu machen.

Ich erschaffe gerne Dinge, ich liebe es Ideen aus meinem Kopf in die Tat umzusetzen. Dabei werden aus meinen Ideen tatsächlich nur 20% Realität, der Rest verraucht im Nichts. Das durfte ich lernen, dass ich nicht alles umsetzen kann. Vielleicht kommt das, wenn ich mal ein großes Team um mich herum habe. Vor allem meine nicht vorhanden organisatorischen Skills machen mir häufig zu schaffen. Ich habe einfach gerne den Überblick und sehe das große Ganze und befasse mich einfach nicht gerne mit Kleinigkeiten – jetzt verstehst du auch, warum ich mich nicht um meine bestimmt tausend Rechtschreibfehler in diesem Text kümmere. Who cares?!? Ich weiß wen, die Menschen, die klein denken. Ich denke gerne Groß. So groß, dass ich auch als Person eine hohe Körperhöhe habe mit 1.76cm.

Ich liebe die Bewegung, ich liebe es unterwegs zu sein und zu reisen. Deswegen habe ich auch eine Home-Base aufgegeben, um als Reisende in der Welt unterwegs zu sein. Obwohl es gerade so scheint, als könnte ich mir Bali für länger vorstellen. Unterwegs bin ich eigentlich schon seitdem ich mit 19 Jahren mein Abi gemacht habe und für vier Monate in Australien war und dann nach Gießen für mein Studium zu ziehen (Osteuropäische Geschichte und Journalismus mit Schwerpunkt auf Filmgeschichte und Jüdische Geschichte – WARUM Vergangenheit-SIlja?!?!). Das Studium habe ich eigentlich nur dafür genutzt zu reisen und spannende Menschen kennenzulernen. Meinen Master absolvierte ich in Graz (MA Geschichte des südöstlichen Europas) und nutze auch hier die Möglichkeit in Bosnien, Kosovo, Serbien und Kroatien zu leben. Falls du dich gerade fragst, ja ich spreche Bosnisch-kroatisch-serbisch fließend. Was für ungenutzte Fähigkeiten und was für eine verrückte Vergangenheit …

In Graz bin ich auch das erste Mal in Berührung mit Yoga gekommen – das Yogalife in Graz hat mir buchstäblich meine Gesundheit und vielleicht sogar mein Leben gerettet. Damals hatte ich so unfassbar schlimme Rückenschmerzen, dass ich kaum noch gehen konnte (Ich glaube, diese Geschichte habe ich noch nie geteilt…). Ich war zu dieser Zeit extrem kränklich und sehr schwach. Ich war im Opferdenken gefangen; dieses hat mich bis dahin so gefangen und klein gehalten. Da meine Gedankenwelt nur aus Feindbildern und aus Angst und Unglück bestand manifestierte ich diese Realität auch in mein äußeres Leben und lebte deswegen in eine sehr unglückliche und toxische Beziehung / Ehe. Sechs Jahre lang lebte ich buchstäblich in der Hölle. Ich erlebte körperliche und seelische Misshandlungen. Ich lernte in dieser Zeit so unfassbar viel über mich und meine Sichtweise auf das Leben. Auch wenn es komisch wirkt, ich bin jetzt dankbar für diese Zeit, denn ohne sie wäre ich noch heute in diesem zerstörerischen Opfer-Mindset. Diese Beziehung war so schlimm, dass ich die Reißleine ziehen musste, um nicht unterzugehen.

Mit einen Umzug nach Mainz und dem Beginn einer Therapie transformierte ich buchstäblich mein Leben. Yoga Nidra verband mich mit alten Kindheitstraumen und zeigte mir ungesehene und ungeliebte Anteile, die ich mit einer Gesprächstherapie, Akupunktur, Yin und Vinyasa Yoga und Breathwork aufarbeitete. Ich trennte mich und zog in eine andere Stadt. Dort erfand ich mich neu. Seit fünf Jahren bin ich nun auf meinem Heilungsweg. Vieles davon teile ich seit zwei Jahren öffentlich auf Facebook. Es ist bis heute kein einfacher Weg, aber ich bin dankbar für diesen Weg, der mir hilft mich noch intensiver mit mir selber zu beschäftigen und meinen Weg und meine Mission zu verstehen und zu erfüllen.

Warum bin ich so polarisierend?

Diese Frage stelle ich mir seit ich denken kann und vor einem Jahr habe ich endlich die Antwort erhalten, nach der ich so lange gesucht habe. Dank Human Design – iIch bin ein Projektor und zwar der Typ, auf den alle ihren Shit projizieren. Es gibt leider nur sehr wenige Menschen, die mich einfach nur als Imperfekten Menschen wahrnehmen können und mich einfach Silja sein lassen. Der Hardliner, die Softe, die Zurückgezogene, die Rampensau, die Schauspielerin, die Authentische, die Heulsuse, die Taffe, die Extreme – die nur schwarz und weiß sieht, die Lügnerin, die Ehrliche, die Schusselige, die Komplizierte, die Miese, die Falsche, die Bejubelten und die Gehasste ……

Es hat sehr lange gedauert, bis ich mich von all diesen oben genannten Fremdbildern einfach so verabschieden konnte. Diese Meinungen von anderen haben nichts mit mir zu tun … oder vielleicht haben sie ganz viel mit mir zu tun? (Silja, die Verwirrende?) Alle diese Sichtweisen auf mich treffen sich vielleicht irgendwo in der Mitte. Irgendwo dazwischen stecke ich: Silja. Ich habe mich damit abgefunden, dass scheinbar jeder eine Meinung zu mir hat und es passt zu meiner Sichtbarkeit seit zwei Jahren. Vielleicht bin ich deswegen auch so schnell so erfolgreich geworden, weil ich ein Mensch bin, der fürs Sichtbarsein gemacht worden ist?

Ich habe für mich die Rolle angenommen, zu provozieren und aufzuzeigen. Ich schaue, mit dem was ich schreibe und sage, wie andere reagieren und kann daraus entweder ein neues Produkt erschaffen, meinen Wunschkunden eingrenzen oder meine Positionierung verfeinern. Habe ich vergessen zu schreiben: Silja, die Berechnende?!? WOW! Ich bin so viel und so vielfältig…wie JEDER! So wie du, wie meine Nachbarn, so wie die Supermarktkassiererin, so wie der Beamte. Wir alle sind multidimensionale Wesen. Ist das nicht das schöne an uns Menschen? Der Unterscheid ist wahrscheinlich der, dass ich schon immer den Mut hatte, meine Gedanken und Meinungen mit meinem Umfeld zu teilen, ohne Zensur. Den von Zensur halte ich nichts und dafür ganz viel von Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Vielleicht kommt da doch die Historikerin am Ende raus, denn was mir damals am meisten Spaß gemacht hat, war Sozialgeschichte: das Studium der Alltagsgeschichte. Wann hat sich was verändert und warum? Was für Wiederholungen gibt es und wer schreibt eigentlich die Geschichte? (Kleiner Hinweis: der Gewinner. Es gibt nämlich keine ehrliche Geschichtsschreibung – jeder hat seine eigene Wahrheit und das was uns als Geschichte verkauft wird, ist eigentlich so verfasst, dass es dem Sieger passt. Quellen können IMMER so gedeutet werden, dass es dem Geschichtsschreiber passt… aber das ist nochmal ein anderer Blog Beitrag!)

Was für ein langer Text über mich…unstrukturiert so wie ich auch als Mensch bin. Danke dir fürs Lesen.

Ich freu mich auf dein Kommentar, deine Silja